119/2016

Luther, Reformation und Politik

 

Liebe Christin, lieber Christ,

 "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort." So das Motto der Lutherdekade. Erst hatte Luther Erkenntnisse aus der Heiligen Schrift gewonnen. Dann sah er, was in der damaligen Kirche und der damaligen Gesellschaft falsch lief. Nur seinem Gewissen verpflichtet, machte er diese seine Erkenntnisse mit seinen Reden, seinen Predigten und seinen Schriften öffentlich bekannt. Er ging damit in die Öffentlichkeit, ließ sich nicht mundtot machen. Und schon wurde es politisch.

Mit Luther kann der Glaube, die Religion, das Christentum nicht Privatsache bleiben. Der Glaube will Gutes für die Welt. Mit seinem Auftreten vor Papst und Kaiser, den führenden politischen Personen im damaligen römischen Reich Deutscher Nation, in Worms, beanspruchte er für sich die Gewissensfreiheit. Daraus wurde heute die Unverletzlichkeit der Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Es entstanden die Evangelische Kirche und Evangelische Gebiete, denn Kurfürsten bekannten sich zur Lutherischen Erkenntnis. Menschen konnten sich in deren Gebieten dazu bekennen. Menschen wanderten in diese Gebiete, um dort ihren Evangelischen Glauben leben zu können. Oder sie wanderten aus. Die Katholische Kirche war nicht mehr die allein selig machende. In der damals sehr intoleranten Zeit sind darin erste Anfänge der modernen Freizügigkeit, Religionsfreiheit und Toleranz zu sehen.

In Worms wurde Luther wegen eines Schutzbriefes nicht sofort verhaftet. Ihm war freies Geleit zugesichert worden. Seine Heimreise endete abrupt. Sein Kurfürst Friedrich der Weise ließ ihn entführen. Seit dieser Zeit war Luther unter dem Rechtsschutz seines Kurfürsten geborgen. Das führte letztendlich zum Gewaltmonopol des Staates. Er ist Gesetzgeber. Nicht der Bischof bzw. die Kirche setzt heute die Richter ein, sondern der Staat. Das galt zunächst nur in den Gebieten mit Evangelischen Landesherren, heute überall in Deutschland. Es darf keine Räume geben in Deutschland, in denen religiöses Recht gilt, das dem Deutschen Recht und Grundgesetz widerspricht. (z. B. die Scharia).

Die Rechtsstellung der Frau verbesserte sich. Luther wollte, dass die Frau, rechtlich abgesichert und unabhängig vom Mann, sich für das Gemeinwesen einsetzen darf. In dessen Folge kam es zur Frauenemanzipation bis dahin, dass die Frau auch Pfarrerin oder Bischöfin werden darf. Es entstand die Freiheit, die Ehe zu schließen, und die Ehescheidung, denn nach Evangelischem Verständnis ist die Ehe kein Sakrament mehr.

Luther übersetzte die Bibel. Jede und jeder sollte lesen und schreiben können. In seinen Schriften forderte er die Fürsten, Bürgermeister und Ratsherren auf, Schulen und Universitäten aufzubauen und eben nicht die Kirche. Die Bildung wurde zur Aufgabe des Staates. Jeglicher Religionsunterricht an Schulen unterliegt heute der staatlichen Kontrolle und Aufsicht.

Vor Luther war die Armenfürsorge Aufgabe der Katholischen Kirche. Mit Luther wurde sie in den Evangelischen Gebieten Aufgabe der Obrigkeit, unabhängig vom Willen des Almosengebers. Die moderne Sozialhilfe entstand. Wieder landen wir bei der Menschenwürde, denn Menschen sollen in Würde leben können. Ihr verhalf Luther zum Durchbruch.

Martin Luther, der größte Deutsche Rebell, so Willi Winkler, veränderte unsere Gesellschaft politisch nachhaltig. Er führte uns vom Mittelalter in die Moderne. Mit der Reformation ergaben sich politische Aufgaben, die Luther anpackte. Luther und Reformation wohnt heute noch politische Sprengkraft inne. Auf dass die Menschenwürde und die Freiheit des Menschen stets gültig bleibe in unserem Land und gültig werde in anderen Ländern - dafür ist auch das politische Engagement aller Christen gefragt, weil das Gebot der Nächstenliebe gilt: "Du allein verfügst über Dich, nicht der Kaiser, nicht der Papst, niemand außer Gott!"

Ich wünsche Ihren Lieben und Ihnen fröhliche Weihnachten, ein gesegnetes neues Jahr und uns ein gesegnetes Reformationsjubiläum 2017 - 500 Jahre Reformation.

Machen Sie es gut!

Ihr Pfarrer Markus Maiwald

Weitere Beiträge...

  1. 117/2016
  2. 116/2016
   
© Meitingen-evangelisch