120/2017

Bild und Bibel

 

Liebe Christin, lieber Christ!

Wer lesen und schreiben kann, der ist klar im Vorteil - ein Lieblingsspruch meines Schwiegervaters. Doch zur Zeit der Reformation konnten wenige lesen oder schreiben. Und die von Mönchen abgeschriebenen Bücher waren für fast niemanden erschwinglich. Sie waren vor Luther wahre Raritäten.

Wie konnte sich die Botschaft der Reformation so schnell in der damaligen Welt ausbreiten? Weil sich die Reformation einer Medienrevolution verdankte. Davor gab es schon Vorgänger, die in dieselbe Richtung wie Luther dachten, zum Beispiel Jan Hus. Doch sie konnten noch mundtot gemacht werden, wenn sie nicht auch noch auf dem Scheiterhaufen landeten. Woraus bestand diese Revolution?

Erstens: Die Drucktechnik hatte einen entscheidenden technologischen Schritt nach vorne gemacht. Seine reformatorischen Erkenntnisse verbreiteten sich über Flugblätter und Flugschriften in Windeseile. Kaum hatte ein Drucker ein lutherisches Flugblatt in der Hand, hat er es schon nachgedruckt.

Von Büchern wurden Auflagen gedruckt, vor allem von der Lutherbibel. Durch sie entstand auch eine einheitliche deutsche Sprache. Durch die mehrfach aufgelegten Lutherbibeln konnten nicht nur die Pfarrer die Heilige Schrift lesen, sondern jeder, der lesen und sich eine Bibel leisten konnte.

Es entstand eine Öffentlichkeit. Und Mädchen und Jungen wurden Ziel der Bildungspolitik. Die Reformation läutete eine Alphabetisierungskampagne ein, die aber erst begann. So schnell konnten nicht alle Lesen lernen, da es ja kein funktionierendes Volksschulwesen gab. Es brauchte noch etwas anderes.

Zweitens: Zur Bibel gesellten sich die Bilder dazu. Luther konnte froh sein, dass er Künstler seiner Zeit und deren Werkstätten für seine Sache gewinnen konnte. Seine Theologie inspirierte die damalige Kunstszene. Es entstanden neue Bilder. Sie wurden zum Mittel der Verkündigung.

Lucas Cranach der Ältere gestaltete den Reformationsaltar in der Stadtkirche zu Wittenberg. Noch heute sehen wir, dass Christus in der Mitte steht, seine Worte und die Geschichten über ihn, das Evangelium. Daraus fließen die Taufe und das Abendmahl als Sakramente. Jesus selbst wurde getauft und er selbst setzte das Abendmahl ein. Des weiteren wurde noch die Beichte ausgestaltet als tägliche Übung des Christen. Noch heute können wir die Kunstwerke des Reformationszeitalters bewundern. Damals waren diese Bilder die Bibel der Armen.

So setzte sich die Reformation durch Bild und Bibel bis heute durch, doch heute können die Bilder sogar laufen. Gott sei dank!

Ihr Pfarrer Markus Maiwald

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